14 Tage Weltmeister – Mein Fazit

Foto von mir Cowboyhut und Sonnenbrille in schwarz, rot, gold. Dazu ein paar passende Tattoo-Sternchen und die Fahne ins Gesicht geschminkt. Last but not least das Trikot.
Mein Final-Outfit

Deutschland ist seit 14 Tagen Fußball-Weltmeister. Nach 24 Jahren und vielen knapp gescheiterten Anläufen ist es endlich soweit. Seit der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2006 war die Euphorie hierzulande immer riesig groß. Die Fanmeile in Berlin ist quasi als Zeitzeuge geblieben. Doch ehrlich gesagt war es dieses Jahr – so zumindest meine Wahrnehmung – anders.

Mich hat diese WM nie wirklich so gepackt wie die letzten Turniere seit 2006. Auch auf den Straßen war das Bild ein anderes. Egal ob EM oder WM prägten bei den Turnieren zuvor deutsche Trikots die Straßen. Man kam nicht einmal durch die kleinste Gasse ohne von Fahnen umweht zu werden. Ja, es hingen wieder Fahnen. Auch Autos waren geschmückt. Aber irgendwie kam es mir so vor, als wär alles weit weniger als die Male zuvor. Vielleicht lag es an den politischen Umständen in Brasilien, die leider mit Turnierende in den Medien hierzulande umgehend aus der Berichterstattung gestrichen wurden. Es könnte auch an den weniger komfortablen Spielzeiten gelegen haben. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass weit weniger Menschen tatsächlich mit diesem Erfolg gerechnet haben als es beispielsweise 2010 der Fall war. Ich nehme mich da auch nicht aus. Noch vor Turnierbeginn habe ich uns bis maximal ins Halbfinale und die Niederlande als Weltmeister getippt. Ganz daneben lag ich nicht. Das von mir getippte Finale entpuppte sich nur als Spiel um Platz drei. :D Aber mal Hand aufs Herz, wer hat vor der WM wirklich an den Titel geglaubt? Gehofft, ja, vielleicht. – Hoffnung ist das eine, aber die Vorzeichen waren nicht gerade positiv.

Ich denke, dass unseren Jungs eine gehörige Portion Glück zuteilwurde, die uns bis dato oft genug versagt blieb. Taktisch hat Bundestrainer Joachim Löw sein (Welt-)Meisterstück abgeliefert. Mertesackers Äußerungen unterstrichen den Kern der (taktischen) Zielsetzung. Im Prinzip sind zwei Mannschaften ins Finale gekommen, die aus einem defensiven Übergewicht und guerillaartiger Offensive den maximal möglichen Erfolg geholt haben. Das war mit zwei Ausnahmen (Portugal und Brasilien) bei uns wahrlich nicht schön anzusehen. Aber wie Mertesacker eben im Kern sagte, kann man sich von „schön“ nichts kaufen. Was wollen wir also eigentlich? Den verdammten Pott natürlich! Und genau das haben die 23 Spieler genau so umgesetzt und gelebt.
In wenigen Monaten wird sich kaum einer daran erinnern wie oft Götze auf dem Platz stand, was er die sechs Spiele davor tat. Er wird aber auf ewig der Mann mit dem goldenen Tor in Rio bleiben. – Vollkommen egal was das Schicksal noch für ihn vorgesehen hat. – Das und nichts anderes ist des Pudels Kern.

Wenn sich das jetzt so liest, als wäre ich unzufrieden: Nein, durchaus nicht. Ich bin begeistert und unheimlich stolz! Löw hat es geschafft, den Spielern über ein übergeordnetes Ziel, ein gemeinsames Spielverständnis zu vermitteln. Alle haben an einem Strang gezogen. Ja, Teamwork hatten wir davor auch. Aber dieses Mal war es etwas anderes. Die Spieler waren wesentlich fokussierter auf das was hinterher bleibt. Sie wollten nicht für die Galerie spielen, wie man so schön sagt. Sie wollten gewinnen, sie wollten den Titel – und nichts anderes. Sein wir doch mal ehrlich: Was gibt es denn für schönere Fotos als dabei das goldene Ding hochzuhalten? Die Mannschaft mit allen, die da rund herum dazugehören, hat einen grandiosen Job gemacht.

Foto: Couch-Ecke, auf jedem Platz das passende Trikot für die Familienmitglieder. Papiertischdecke im Fußballfeld-Design. Jede Menge Utensilien wie Tröten, eine Trommel.
Unser fürs Finale präpariertes Wohnzimmer

Was mich irritiert, ist das Gefühl hierzulande gewesen. Es war einfach anders. Am Montag danach sah man nur ganz vereinzelt Fanutensilien. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt und alles auf Normalzustand zurückgesetzt. Am Dienstag war ich auf der Fanmeile. Auch da war es kein Vergleich zu 2006. Ehrlich gesagt hätte ich viel mehr Menschen erwartet. Das kann aber auch täuschen, weil ja ein nicht unerheblicher Teil den Weg zwischen Flughafen und Brandenburger Tor säumte. (Es war trotzdem ein unvergessliches Erlebnis!)

So, genug sinniert. Unterm Strich bleiben 23 Spieler plus Stab und Mitarbeiter, die sich unsterblich gemacht und in die Geschichtsbücher eingeschrieben haben. Ich bin jedem der Beteiligten zutiefst dankbar für unvergessliche Momente und Tränen aller Arten! Man kann meiner Meinung nach gar nicht genug Tribut zollen für diese (eigentlich zehn Jahre andauernde) Leistung.

Zum Abschluss noch die für mich bis jetzt schönste Zusammenfassung unseres Turniers von shadiego:
(Taschentücher parat halten ;-) )

P.S.: Ich höre immer noch jeden Tag unterwegs meine kleine Zusammenstellung an WM-Songs, die mich schon musikalisch durchs Turnier begleitet hat. :-)

Comic-Bild Gregor

Über den Autor

Ich bin Fachinformatiker, Berliner und ganz offensichtlich ein verrückter Blogger. Je nachdem überwiegt das ein oder andere.

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3 Kommentare zu „14 Tage Weltmeister – Mein Fazit

  1. Sehr schön geschrieben Gregor von den Momentaufnahmen ganz zu schweigen, da braucht es keine weiteren Worte, vielen Dank.

    Danke auch für das teilen deines Blogs.

  2. Klasse zusammengefasst. Deine Vermutung: Schlechte Anstoßzeiten, haben wohl schon ein wenig zur rel. „nüchternen“ Stimmung beigetragen. Und so wie es 2006 war, kann es wohl nur nochmal werden, wenn hier gespielt wird und dazu das gleiche Superwetter herrscht wie „damals“. Es war einfach „näher“ Und Freude wurde, in diesem Jahr auch schnell in Frage gestellt: „Wieso haben wir nicht „besser“ gewonnen und auch diese elendige, nervige Diskussionen zu: Wieviel Freude darf sein, ohne gleich „rechts“ zu sein. Alles Dinge, die Stimmung nicht unbedingt fördert.
    ICH habe mich gefreut und war begeistert und hatte auf Deutschland getippt :)
    Uuuuuuuuuuund jetzt: Freuen wir uns auf Liga 1 und 2 und 3 und auch auf Liga 4. So! :)

  3. Ich habe zu danken, Ina :-)

    Bernd, 2008 und 2010 war es auch weit weg. Trotzdem war das Feeling anders.

    Aber da die EM ja in Frankreich stattfindet: „Uns bleibt immer noch Paris“ ;D

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