Gesichtsbuch für Ferngebliebene

In Szene gesetzter Screenshot von Facebook
Facebook – Quelle: pixabay

Dass ich für den Blog auf Facebook eine Fanpage erstellt habe, hatte ich ja bereits erwähnt. Sie hat sogar schon eine Hand voll Fans. An dieser Stelle mein herzlicher Dank an die Lieben! :-)

Doch die Wiederkehr ist gar nicht so einfach. Es ist bald sechs Jahre her, dass ich mich in Zuckerbergs Netzwerk registriert habe – lange aktiv genutzt habe ich es nicht. Eigentlich hat es mich nie wirklich angesprochen. Die ganzen Datenschutz-Debatten der letzten Jahre lasse ich mal außen vor. Es wäre müßig darüber zu diskutieren.

Facebook war für mich lediglich ein Werkzeug um leichter Kontakt zu ehemaligen Klassenkameraden herstellen zu können. Doch, um es alltäglich zu nutzen, gefiel es mir im Vergleich zu anderen Netzwerken nicht genug. Mir war das Layout zu hektisch, die Inhalte meist zu langweilig und ich habe nie verstanden wie jemand lange Zeit am Stück damit verbringen konnte (den Chat ausgenommen).

Im Laufe der Jahre habe ich mich immer mal wieder eingeloggt. Natürlich sind Neuerungen nie ganz an mir vorübergegangen. Aber mein Interesse am Pflegen des Profils war doch recht begrenzt. Während eingangs erwähnter Debatten in den Medien hatte ich meine Chronik von allem gesäubert was ich für irrelevant hielt und die Privatsphäre-Einstellungen angepasst.

Als ich dann von einem damaligen Kollegen die Einladung zum frisch geschlüpften Google+ bekam, war Facebook für mich quasi nur noch etwas aus den Nachrichten. Aber ich will hier jetzt kein Loblied auf das Netzwerk des Suchmaschinen-Riesen singen. Obgleich mir wahrscheinlich genug für 10 Strophen einfallen würde. ;-)

Eigentlich möchte ich ja auf die Wiederkehr hinaus. Doch ich wollte auch erklären, warum ich ferngeblieben bin.

Screenshot der Facebook Fanpage zum Blog
Screenshot der Fanpage zum Blog

Im Zuge der Erstellung besagter Fanpage habe ich natürlich auch mein persönliches Profil mehrfach durchgesehen, Einstellungen verändert, Inhalte aufgeräumt und, und, und. Zu Beginn meiner Zeit bei Facebook hat man seine Interessen einfach kommagetrennt in Felder geschrieben und sie wurden automatisch (wie heutzutage Hashtags) verlinkt. Im Laufe der Jahre kam dann das Liken von Seiten dazu, das die Hobbies im herkömmlichen Sinne ersetzte. Sofern solche Seiten existierten, wurden die eigenen Angaben im Zuge der Umstellung teilweise systemseitig in Likes übersetzt. Ein Gebaren dessen Folgen mir jetzt auf die Füße gefallen sind. Denn nicht zuletzt um den Stream übersichtlicher zu gestalten, habe ich versucht in meinen Augen überflüssige „Gefällt mir“-Angaben rückgängig zu machen. Und da kommt der Witz: Teilweise beziehen sich die Zahlen aus der Übersicht auf „Interessen“ aus vergangenen Tagen und gar nicht auf echte Likes im heutigen Verständnis. Über das Aktivitätenprotokoll kann man versuchen sie aufzufinden und dort zu entfernen. Doch eine Übereinstimmung habe ich trotzdem nicht hinbekommen.

Screenshot „Gefällt mir“-Angaben bezüglich des statistischen Widerspruchs
Screenshot „Gefällt mir“-Angaben

Einfaches Beispiel: Die „Gefällt mir“-Angaben sind ja in Kategorien untergliedert. Nehmen wir „Filme“. Dort habe ich 8 Pages aufgelistet, die mir „gefallen“. Zusammenfassend sagt mir das Netzwerk aber, dass mir 12 „gefallen“ würden. Wo sind also die übrigen vier Seiten? Ich tippe ja darauf, dass es gelöschte oder deaktivierte Pages sind. Und da Facebook ja nichts vergisst, hat man plötzlich eine Statistik wie man sie sonst nur aus den Nachrichten kennt. ;-)

Die Sortierung des Streams kann ich auch nicht immer nachvollziehen. Teilweise werden mir Beiträge vom Vortag erneut ganz nach vorn gepackt, obwohl sich daran nichts getan hat. Zumindest ist es für mich nicht ersichtlich was diese Umsortierung bedeuten soll. Eine wirkliche Chronologie fände ich persönlich besser.

Die Art der Inhalte – zumindest in meinem Stream – hat sich auch stark verändert. Klar, alte „Freunde“ sind erwachsener geworden. Aber auch das Entstehen paralleler spezifischer Netzwerke hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sich ein Wandel vollzogen hat. Wo früher noch von Frühstück bis Betthupferl jede Kleinigkeit von internationalem Belang mit der Öffentlichkeit geteilt wurde, prangen heute digitale Zeugnisse grenzenloser Überlegenheit. Frei nach dem Motto „Mein Haus, mein Urlaub, mein …“ – Höher, schneller, weiter; hochauflösend und druckreif als Autogrammkarte. ;-)

Dazwischen lauert mit dem Charme einer heranfliegenden Bratpfanne ein buntes Sammelsurium aus „Gesponsert“ und „Empfohlen“.

Komm, bau einen digitalen Bauernhof! X, Y und Z sind schon so weit, dass sie demnächst auf dem allseits bekannten Fernsehsender mit den drei Buchstaben die Partnersuche starten. Dennoch brauchen sie aber dauernd deine Hilfe um Ressource HasteNichtGesehen erwirtschaften zu können. Hilf ihnen, sie könnten es ggf. nicht überleben.
– Unterschrift nur gültig mit Eigenblut

Cursor in Form einer verbundenen Hand, leicht blutig
Arg mitgenommener Cursor

Natürlich übertreibe ich! Aber es fällt mir schwer mich damit abzufinden. Ich könnte tagelang empfohlene Gruppen wegklicken und Facebook würde mir immer noch drei neue vorschlagen bis letzten Endes der Mauszeiger bricht. :eek:

Aber bevor jetzt die Kommentare rasant ansteigen und alle Facebook-Fanboys sich zu einem gigantischen Heer verbünden: Ja, Werbung ist auch auf den meisten anderen Websites und Netzwerken allgegenwärtig. Auch Vorschläge etc. Mir geht es im Kern um die Art und Weise der Präsentation / Aufdrängung. Hinzu kommen Fremdbestimmungen und Kuriositäten wie die Like-Statistik.

Versteht mich also bitte nicht falsch. Ich bin der Meinung, dass jedes noch so kleine Netzwerk seine Daseinsberechtigung hat. Der Erfolg von Facebook kommt auch nicht von ungefähr. Ich nutze seine Reichweite ja auch nicht ganz uneigennützig. Aber der Untertitel meines Blogs ist und bleibt „Nur meine Meinung“. Und damit werde ich auch nie hinterm Berg halten. Es ist auch beileibe nicht alles schlecht an besagtem Netzwerk. Manche der eigenartigen Maßnahmen beim Einführen neuer Features war – so würde ich es zumindest attestieren – sicherlich auch nicht böswillig durchgeführt worden. Ihr müsst mich also nicht in die Schublade der Facebook-Hasser stecken. So krass ist es dann doch nicht (mehr ;-) ).

Unterm Strich wird es zwischen dem Gesichtsbuch und mir bei einer Zweckgemeinschaft bleiben. Aber ich hoffe auf einen dennoch gegenseitig liebevollen Umgang miteinander. :D

Randnotiz: Wer mich näher kennt, weiß, dass ich digital – im Gegensatz zu meinem eigenen Chaos – aufgeräumte Oberflächen bevorzuge. Und dahingehend hat Zuckerbergs blaue Wunderwelt einfach seine Defizite.

Comic-Bild Gregor

Über den Autor

Ich bin Fachinformatiker, Berliner und ganz offensichtlich ein verrückter Blogger. Je nachdem überwiegt das ein oder andere.

Wer mehr über mich erfahren möchte, kann dies auf der „Über mich”-Seite tun, das Kontaktformular nutzen oder mich in einem der sozialen Netzwerke aufsuchen:

2 thoughts on “Gesichtsbuch für Ferngebliebene

  1. Hat seine Daseinsberechtigung. Genau! Und kann/soll benutzt werden, wenn man mag.
    Für mich wird es wohl immer nur, mein Online-Kontakt-„Telefonbuch“ bleiben :)

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