Einfach mal B nehmen

Illustration: Quizshow mit der Frage "Manchmal unerlässlich: Gutes..." A nehmen; B nehmen; C nehmen; D nehmen
Einfach mal B nehmen

Ich hatte in letzter Zeit nicht wirklich viel Luft zum Schreiben. Dennoch möchte ich einen Beitrag zum bereits vergangenen #webmasterfriday vom 12.12.2014 quasi nachreichen. Denn das Thema gefällt mir. Gegenstand der Diskussion ist „Gutes Benehmen und Netiquette“. Dabei werden die Fragen in den Raum gestellt, ob man sich von Hause aus gut oder eben nicht benimmt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten online und offline? Kann man es lernen sich gut zu benehmen? Welche Regeln gibt es? Welche Erfahrungen haben wir diesbezüglich gemacht?

Zunächst einmal möchte ich folgendes loswerden: Dies ist der erste und hoffentlich letzte Beitrag von mir, der das Wort „Netiquette“ enthält. Das ist in meinen Augen ein Relikt aus dem Sprachgebrauch der ersten Chatplattformen der 90er und ist vom Sinngehalt irgendwo zwischen vor-sich-hinvegetieren und gelangweilt in der Nase bohren anzusiedeln. :D Warum? Nun, weil man bei manchen Dingen keinen „fancy Begriff“ schöpfen muss, um es massenkompatibel zu machen. Denn Etikette bleibt Etikette. Wo, wann, warum, wofür spielt keinerlei Rolle.

Damit sind wir auch schon direkt im Thema. Ich persönlich halte viel von sogenanntem „Guten Benehmen“. Das setze ich aber nicht gleich mit höfischen Gepflogenheiten oder dem Aufsagen eines Knigge-Gedichtes zu Heilig Abend. Es geht darum, ein Gespür dafür zu entwickeln was wann angebracht ist oder eben nicht. Das mixt man dann mit einer großzügigen Portion Rücksicht, einer Prise Mitgefühl und rührt Menschlichkeit unter. Schon hat man einen ansehnlichen Tortenboden, den man dann ganz individuell und anlassbezogen garnieren kann.

Manchmal hilft schon ein einfaches „Hallo“… ;-)

Lernt man sich zu benehmen oder kriegt man das mit der Muttermilch?

Natürlich kann man das lernen. Jedoch reden wir hier von moralischen Gesetzmäßigkeiten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das je nach eigenen Erfahrungen und vielfältig angeeigneten Erkenntnissen ganz individuell geprägt ist. Das Verhalten hängt auch davon ab inwieweit man diese Lernprozesse verarbeitet. Nicht jeder nimmt alles als Information hin. Mancheiner ignoriert diese auch wissentlich. Wieder andere verinnerlichen die Erfahrungen nicht als generell anzuwenden und dosieren die Ausschüttung auf gewisse Personen, Räumlichkeiten oder Gruppen. Es ist also auch individuell zu bewerten ob man Erfolg mit der eigenen Strategie oder Auffassung hat. Denn das hängt von der eigenen Wahrnehmung und Zielsetzung ab. Beobachter würden das aus ihrer Perspektive sicherlich ganz anders oder zumindest unterschiedlich bewerten.

Wo kann man „Gutes Benehmen“ lernen? Wo habe ich mir das, was ich dafür halte angeeignet? – Nun, überall und nirgends sozusagen. Es gibt sicherlich Kurse für bestimmte Verhaltensregeln oder Etikette. Aber das hat damit wenig zu tun, da es eher um die persönliche Einstellung zum gegenseitigen Miteinander geht, wenn man von Benehmen spricht. Insofern gibt es keine bessere Anlaufstelle als die Menschen, denen man tagein tagaus begegnet. Denn nur sie können auch Feedback zu eventuellen Veränderungen geben. Wenn man sich unsicher ist, hilft ohnehin nur das höfliche Nachfragen. Und warum sollte man das nicht auch tun? Offene Kritik hat noch keinem geschadet. Selbst wenn sie wehtun sollte, kann sie auf die eine oder andere Weise nur hilfreich sein. :-)

Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Benehmen auf der Straße und im Netz?

Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten on- und offline gibt? Ich denke nicht! Warum? Nun, schauen wir uns doch an beiden Orten einmal ganz grob um. Wir finden schnell aus beiden „Lagern“ Leute. Doch kann man aus dem Verhalten direkt schließen wie sich derjenige abseits der digitalen oder analogen Wege verhält? Nein, man kann es lediglich unterstellen, denn nicht einmal eine Vermutung wäre tatsächlich begründet! Begründen kann man seine Meinung dazu nur durch aktive Erfahrungen. Und selbst dann ist das immer noch etwas individuelles, das man nicht generalisieren kann. Was aber dafür spricht, dass es einen klaren Unterschied gibt, ist der der Trend von Autoren im Netz etwas in meinen Augen selbstverständliches als Besonderheit herauszustellen: Authentizität. Denn wenn jemand sich natürlich verhält – respektive ausdrückt, ist das nicht notwendig. – Unabhängig davon ob man das jeweilige Verhalten nun als gut oder schlecht einschätzen würde. Und genau an dieser zwanghaften Gleichschaltung endet für mich „Gutes Benehmen“. Denn ehrlich gesagt halte ich mehr von weniger freundlichen Menschen mit einer gegensätzlichen Meinung, die sie aber offen kundtun, als von denen, die eine freundliche Verbindung nur vorgeben.
Ich persönlich habe die unterschiedlichsten Erfahrungen on- und offline gemacht. Deshalb kann ich auch nichts weiter dazu sagen, als dass es eben keinen direkten Zusammenhang geben muss. Bei manchen ist er vorhanden, bei anderen absolut nicht. Und insofern kann ich auch nur dazu raten, sich nicht auf Vermutungen einzuschießen. Das hilft nicht zwangsläufig; unabhängig von etwaigen Zielen oder Vorstellungen. :-)

Und jetzt?

Ich weiß, dass das jetzt vielleicht etwas schwammig ist. Aber ehrlich gesagt fällt es mir schwer das auf den Punkt zu bringen ohne konkrete Beispiele. Die wiederum möchte ich – positiv wie negativ – aber gern in meinem Rest Privatleben belassen und niemanden bloßstellen oder hervorheben. :-)

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich keinen direkten Zusammenhang zwischen „Gutem Benehmen“ und „Vernunft“ herstellen möchte. Natürlich überschneiden sich beide in vielen Situationen. Dennoch hat das Eine mit dem Anderen in meinen Augen nicht zwingend etwas zu tun. Denn auch in Unvernunft kann man sich gut benehmen. Auch das weiß ich aus eigener Erfahrung! ;-)

Wie sind deine Erfahrungen? Würdest du einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten auf verschiedenen Plattformen sehen?

Schließen wir mit einem Zitat aus „Austin Powers“: „Oh, benimm dich!:D

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Comic-Bild Gregor

Über den Autor

Ich bin Fachinformatiker, Berliner und ganz offensichtlich ein verrückter Blogger. Je nachdem überwiegt das ein oder andere.

Wer mehr über mich erfahren möchte, kann dies auf der „Über mich”-Seite tun, das Kontaktformular nutzen oder mich in einem der sozialen Netzwerke aufsuchen:

2 Kommentare zu „Einfach mal B nehmen

  1. Hey Gregor,

    danke für den Beitrag.

    Dieses Thema ist wirklich sehr umfassend. Vielleicht machst Du ja noch eine Serie daraus? ;)

    Stichworte dazu:

    Erziehung/Sozialisation
    Erfahrung
    Kultureller Hintergrund

    Kommunikative Kompetenz
    Emotionale Intelligenz

    Virtualität:
    Vorteil der Anonymität?

    Reales Leben:
    Konventionelle Zwänge

    Den Schrei nach Authentizität kann ich übrigens auch nur sehr bedingt nachvollziehen.

    Kommunikation funktioniert auch sehr gut ohne diese. Hier geht es vielmehr um die sogenannte Anschlussfähigkeit.

    Das Wetter etwa ist ein beliebtes Thema als Gesprächseinstieg. Ob es tatsächlich regnet oder schneit, ob die Sonne scheint oder der Wind pfeift, ist für die Kommunikation, für den Einstieg ins Gespräch unerheblich.

    Gleiches gilt beispielsweise für unser Befinden. „Wie geht’s?“, fragen wir da gern und oft. Das ist eine Floskel. Für den Einstieg in ein Gespräch. Wie es einem tatsächlich geht, bleibt dabei nachrangig.

    Soweit meine ersten Gedanken…

    Ach ja: Beispiele würde ich an der Stelle schon begrüßen. Das würde ja auch ohne Namen funktionieren.

    Schönen Abend!

    Antworten
  2. Hallo Ingo,

    natürlich gibt es genug Stoff, um das Thema noch ausführlicher zu behandeln. Nicht grundlos werden ganze Bücher darüber geschrieben. ;-)

    Die Gründe für das jeweilige Verhalten aufzuzählen würde allein schon den Rahmen sprengen und die Liste wäre wohl auch nie ganz vollständig. Mit Ausnahme der Anonymität habe ich die von dir genannten Stichworte unter „Erfahrungen“ zusammengefasst. Wobei die Möglichkeit das Internet als Ventil aufzufassen – zumindest beim ersten Mal – auch wieder eine Erfahrung wäre. ;-)

    Eine Serie zu dem Thema wird es definitiv nicht geben. Denn das würde in meinen Augen zwei Dinge voraussetzen:

    a) Ich müsste konkrete Beispiele liefern. Dass ich das nicht möchte, habe ich im Beitrag bereits geschrieben. Die funktionieren zwar namenlos. Aber das wäre wie eine anders benamte Romanfigur. :-)

    b) Ich würde meine Kompetenzen bzgl. verschiedener Wissenschaften zumindest teilweise überschreiten. Da bin ich kein Fan von. Das überlasse ich dann doch Experten des menschlichen Sozialverhaltens eingehendere Urteile zu verfassen. Der Schubert bleibt bei seinen Leisten / Themen. ;-) Schließlich erwarte ich das auch von anderen bzgl. meiner Tätigkeit.

    Natürlich bleibt vieles dadurch recht allgemein im Raum stehen. Keine Frage. Doch diesen Preis zahle ich gern im Sinne genannter Gründe.

    Dir auch einen schönen Abend. Ach, wie ist das Wetter eigentlich am anderen Ende der Stadt? ;-)

    LG
    Gregor

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