Zielgruppentherapie

Grafik „We are the internet“ - Viele Leute, links rechts und auf dem Bildschirm!
Ist das (m)eine Zielgruppe? – Quelle: pixabay

Wenn der #webmasterfriday ruft, bin ich ja schon eine ganze Weile gern dabei. Diese Woche stellt Martin Mißfeldt die Frage „Habt ihr eine Zielgruppe?“. Dabei handelt es sich bezüglich des Bloggens durchaus um ein strittiges Thema.

Manche Autoren sind der Meinung, dass ein solcher Begriff nur bei Produkten verwendet werden kann und sehen sich selbst nicht als Ware in diesem Sinne. Andere schreiben über ein spezielles (Nischen-)Thema und definieren darüber auch eine klare Zielgruppe. Zuletzt gibt es dann noch die, die sich zwar als Produkt „vermarkten“, sich aber nicht auf eine Zielgruppe beschränken (wollen / können).

Tja, habe ich eine Zielgruppe? Also Leser habe ich fraglos! Nicht zuletzt Dich, wie ich sehe. ;-)

Wie definiere ich meine Zielgruppe, wenn ich denn eine habe? Ist es überhaupt nur eine? Fragen über Fragen… Aber natürlich gebe ich Dir auch Antworten!

Vom Ziel haben viele Menschen einen Begriff, nur möchten sie es gerne schlendernd erreichenJohann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter

Seit ich mit dem Bloggen angefangen habe, lese ich natürlich auch viel was die Vorreiter und Profis aus der digital schreibenden Zunft so an Tipps und Leitfäden veröffentlichen. Dabei gibt es in der Regel eine relativ große Schnittmenge, zu der auch der Hinweis auf die Kenntnis der eigenen Zielgruppe gehört.

Ich habe vom ersten Tag an – trotz der mehrfachen Anläufe – immer den Untertitel „Nur meine Meinung“ für meinen Blog gehabt. Das hat zwei Gründe:

  1. Es soll unterstreichen, dass dies, was ich hier so zum Besten gebe, nicht der Weisheit letzter Schluss ist, sondern nur meine persönlichen Folgerungen wiederspiegelt.
  2. Da ich mich nie auf ein einzelnes Thema festlegen wollte, soll der Untertitel diese Offenheit irgendwie auch in sich tragen.

Wer hier nach einem klaren Thema sucht, der wird also schnell aufgeben. Glücklicherweise hat Bine in ihrem Blog „Social Me. Social U.“ (Blog existiert leider nicht mehr) unter anderem den Mythos um das zwingend vorliegende Fokus-Thema widerlegt. Da fiel mir schon ein Stein und kein Kiesel vom Herzen. Denn beschäftigt hat mich der Mythos schon; das gebe ich gerne zu!

Aus der nahezu uneingeschränkten Themensammlung ergibt sich, dass ich also entweder keine oder ganz viele verschiedene Zielgruppen habe, oder?

Das sehe ich ein Stück weit anders! Richtig, die Inhalte gehen bei mir in die unterschiedlichsten Richtungen. (Eine SEO-Agentur würde mir augenrollend nichtmal antworten ;-) ) Aber zwei Dinge verbinden die Beiträge – denke ich – dennoch:

  • Sofern es sich um weniger massentaugliche Themen handelt oder ich das Gefühl habe, dass meine Stammgäste sich evtl. nicht wirklich damit auskennen (können), versuche ich vieles vereinfacht auch an Erklärungen mit auf den Weg zu geben.
  • Die scharfe Zunge, mit der ich die Tasten zu treffen versuche, um meine blumigen Vergleiche zu Datenbank statt Papier zu bringen, kommt überall durch. :D

Nur aufs Ziel zu sehen, verdirbt die Lust am Reisen.Friedrich Rückert (1788-1866), dt. Dichter

Mein Avatar mit einer Waffel in der Hand. In der Waffel hängt oder steckt ein silberner Ring.
Habe wohl einen an der Waffel…

Ich denke, dass ich hier problemlos über die „umweltfreundliche Energiegewinnung aus linksdrehenden Bratpfannen in Kombination mit schadenfreudstoffarmen Windbeutelrädern“ schreiben könnte ohne Dich zu vergraulen!

Warum? Weil Du genau so einen an der Waffel hast wie ich. Na gut, vielleicht nur ein kleines Stück davon, aber Du hast eindeutig Spaß an der Freude! :-)

Wenn ich mich also auf eine Zielgruppe festlegen müsste, würde die schätzungsweise alle Menschen treffen – sagen wir mal, die …

  • im Alter von 14 bis X Jahren sind
  • der deutschen Sprache weitestgehend mächtig sind oder über eine gute Übersetzungssoftware verfügen
  • denselben Schuss wie ich nicht gehört haben :D
Schemenhafte Darstellung eines Gesichtes und jede Menge Zahnräder im Kopf. Ein paar davon fallen hinten raus.
Schraube / Zahnrad locker? – Quelle: pixabay

Die in kleinen, aber feinen Schritten wachsende Gruppe von Leser(inn)en, zu der scheinbar auch Du gehörst, hat also im positiven Sinne eine Schraube locker. :roll:

Wenn ich mir die Kommentare hier, auf Google+, Facebook und twitter ansehe, dann muss ich Dir sagen, dass ich mich bei euch auch unheimlich wohlfühle. Kann man das so sagen? – Das Feedback wächst und es macht Spaß mit Dir und den anderen zu diskutieren oder einfach auch nur mit Worten zu spielen!

Das ist auch ein guter Zeitpunkt, mich mal wieder in aller Form bei Dir zu bedanken! Es ist unglaublich welche Wärme mir entgegen gebracht wird. Und, weißt Du was? In diesem Jahr gab es noch nicht einen einzigen Tag ohne Besucher! :oops:

Der Weg ist das Ziel. Vor allem, wenn es kein Ziel gibt.Stephan Sarek (*1957), dt. Schriftsteller

Das Schreiben macht mir einfach unheimlich Freude. Eine Zielgruppe im herkömmlichen Sinne ist nicht notwendig. Ich habe Dich, das finde ich viel besser! :-)

Comic-Bild Gregor

Über den Autor

Ich bin Fachinformatiker, Berliner und ganz offensichtlich ein verrückter Blogger. Je nachdem überwiegt das ein oder andere.

Wer mehr über mich erfahren möchte, kann dies auf der „Über mich”-Seite tun, das Kontaktformular nutzen oder mich in einem der sozialen Netzwerke aufsuchen:

17 Kommentare zu „Zielgruppentherapie

  1. Bin ehrlich, hab nicht zu Hundert % gelesen, auch nicht so aufmerksam wie notwendig – zu viele Neben-Kriegsschauplätze im Kopf.
    Aber ein großes Ziel habe ich,
    ich WILL versuchen möglichst bei vollem Bewusstsein alt zu werden

  2. Dann werde gesund, Holger, und ich versuche vollkommen legal mit meinem Geschreibsel dein Bewusstsein zu erweitern, damit Du wunschlos glücklich bist :-)

    LG und gute Besserung
    Gregor

  3. Hi Gregor, ein prima Beitrag. ^^

    Manche Zielgruppe mag sich ja beispielsweise aufgrund spezieller Interessen quasi wie von selbst ergeben. Wer sich fürs Angeln begeistert, wird eher mal Angler-Artikel oder ein entsprechendes Fachmagazin kaufen

    Habe ich hingegen etwa ein Massenmedium mit Massen-kompatiblen Beiträgen, bewerbe ich dieses durch Massenansprache. Die Zielgruppe bleibt also relativ undifferenziert.

    Sympathisch finde ich es, wenn von diesem Marketing-Gedöns auch einmal abgesehen wird. Wenn es individuell zugeht. Und eben gerade nicht (zwanghaft) probiert wird, eine Zielgruppe zu finden, zu erfinden, zu erreichen, zu überzeugen oder zu überreden. „Nur meine Meinung“ ist ein klares Statement, das genau damit korrespondiert und mich anspricht. Vielleicht bin ich da aus beruflichen Gründen auch etwas vorbelastet. Mich langweilen diese sogenannten Experten-Beiträge. Soundsoviel Tipps für mehr Website-Besucher. Jetzt die Zielgruppe mit besserer Ansprache noch bessererer erreichen. Bla, bla, bla. Viel Text. Wenig Erlebnis. Wenig Mensch. Wenig Meinung. Nö. Da lese ich dann lieber Gregors Blog.

    Cheers!
    Ing:o)

  4. Dein Ziel ist, das sich die Gruppe wohl fühlt und du zu dieser Gruppe dazu gehörst.
    Das funktioniert und deshalb ist es ja auch „warm“ hier und es wird gern „vorbeigeschaut“ ;-)

  5. Ingo und Broti :love:

    Ich danke euch :-)

    Ingo, mir geht das berufsbedingt ähnlich. Ich lese davon zwar auch privat das ein oder andere, aber die meisten Blogs, die ich „daheim“ konsumiere, haben einen deutlich menschlichen Touch :-)

    LG
    Gregor

  6. Hallo Gregor,
    bin auch ein wenig schwerhörig. Höre daher die Schüsse nicht. Ich hab aber eine klare Festlegung für meine Besucher. Sie sollten weiblich oder männlich sein. ;-)
    HG Hans

  7. Hans, da musst Du dann mit Marketing im Gesichtsbuch aufpassen. Da gibt es noch einige, die Du auf dem Papier ausschließen würdest ;D

    LG
    Gregor

  8. Ich weiß nicht, ob man von einer Zielgruppe sprechen kann. Ich denke immer, es kommt auf den Inhalt des Blogs an. Und wenn man sehr viele verschiedene Themen hat, sind auch die Leser grundverschieden. LG Romy

  9. Hallo Romy,

    gar keine Frage! Aber wie so vieles, sehe ich auch den Begriff der Zielgruppe relativ abstrakt, sofern es nicht um wirtschaftliche Themen geht.

    Grundverschieden sind wir alle. Aber gibt es eine oder mehrere Schnittmengen? :-)

    LG
    Gregor

  10. Hallo Gregor,
    sehr treffend formuliert und ich glaube auch, dass es ungemein hilfreich ist, eine Schraube locker zu haben (wenn man deinen Blog besucht).

    Ich verstehe sowieso nicht so wirklich dieses Gedöns rund um SEO und ob es sooo wichtig ist eine bestimmte Zielgruppe zu haben wage ich mal zu bezweifeln, aber eine Zielgruppe hat trotzdem jeder mit seinem Blog – ich wäre ja sonst kaum hier :))
    Schönen Sonntag noch
    Ede

  11. Hmm, „Zielgruppe“, hmm, grübel! Komtm ja wohl wirklich drauf an, was für einen Blog man schreibt. Ei Anglerblog ist meistens nur für Angler interessant, also Zielgruppe „Angler“. Mein Schwerpunkt als Reisebloggerin liegt auf „China“ Da ist die Zielgruppe ziemlich eindeutig. Aber ich kann da keine gerade Linie gehen. Ich bin viel in der Welt rumgereist, also schreibe ich über alles, was mir so unterwegs begegnet. Und wenn ich nicht nach China reise, so gibt es andere Reiseziele, andere Reiserfahrungen. Damit ist die Zielgruppe schon wieder sehr breit gefächert. Es gibt Leute, die haben gar kein Interesse am Reisen und lesen meine Blog. Fazit: meine Zielgruppe sind alle Leute, die meine Artikel, Reiseberichte und Fotos interessant finden. Und das werden immer mehr. Ich schreibe, weil ich schreiben muss. Weil es Leute gibt, die sich dafür interessieren. Damit erübrigt sich die Frage nach der Zielgruppe.
    Viel Erfolg weiterhin! Ulrike

  12. Hallo Ede!

    Der Begriff Zielgruppe hängt ja nicht umsonst mit dem des Zieles zusammen. Insofern machen SEO, Marketing und Co. fast immer Sinn. Jedoch hängt halt letztlich alles vom angestrebten Ziel ab. :-) Mit einem Kompositum zur Komposition sozusagen. ;-)

    Dir auch einen schönen Sonntag, Ede!

  13. Hallo Ulrike,

    das Interesse an Deinen Reisen ist ja auch nicht automatisch damit gleichzusetzen, dass die geneigte Leserschaft auch nur aus Vielreisenden besteht. Bei Dir kommt halt ein ganzer Mix aus Eindrücken zusammen, was den eigentlichen Ursprung – also das Reisen – stark illustriert. So sprichst Du natürlich wirklich eine fraglos breite Masse an, die dennoch nicht Dein Hobby teilen muss.

    Danke und Dir auch weiterhin viel Erfolg!

    LG
    Gregor

  14. Huhu,

    schön geschrieben und herzlichen Dank für die Erwähnung. :)

    Man muss natürlich sagen, dass das mit dem „nicht zwingend auf ein Thema beschränken“ an gewisse Bedingungen geknüpft ist. Aber das kann man ja bei mir nachlesen. ;)

    Die Sache mit der Zielgruppe ist schon nicht ganz unwichtig. Aber auch hier muss man einfach klar unterscheiden zwischen einem Corporate und einem privaten Blog. Ich selbst habe grob ein Bild von meinen Lesern, weil ich mal eine Umfrage dazu gestartet habe und ich muss auch sagen, es ist einfacher und angenehmer zu schreiben, wenn man sich den Gesprächspartner quasi vorstellen kann.

    Ich hab aber auch die ein oder andere Schraube locker und oute mich gern als Leser deines Blogs. Aber psssst… ;)

    Liebe Grüße,

    Bine

  15. Hallo Bine,

    das ist doch mal ein schönes Coming Out :D Danke!

    Mir ist schon klar, dass man das differenziert betrachten muss. Aber das ist ja eher Dein Thema. Insofern belasse ich es bei dem Ding an der Waffel bei mir. ;-)

    Mein eigener ist ja auch nicht der einzige Blog, für den ich schreibe. Wobei für den Corporate habe ich schon ne Weile nichts mehr verfasst. Und die Zielgruppe ist eine absolut andere.

    LG
    Gregor

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