Auf Umwegen zum Ziel

Ein Gleis im Vorbeirasen fotografiert.
Quelle: pixabay

Wieder einmal etwas aus der Reihe „reim dich oder ich fress dich“. Wenn Du nicht zum ersten Mal vorbeischaust, weißt Du jetzt also schon, dass es sich um meinen Beitrag zum fünften Wort der etwas anderen Blogparade von Dominik Leitner handelt. Gemeint ist natürlich das auf der Vorgabe eines einzelnen Wortes basierende und absolut grandiose txt-Projekt.

Erneut bin ich reichlich spät dran. Aber ich bin jedes Mal sehr froh über den langen Zeitrahmen. :-)

Wie gesagt, gibt es meinen geistigen Erguss auch diesmal wieder in Reimform. Das vorgegebene Wort lautet: gleich.

Als ich das Wort las, war mir gleich klar, dass ich damit nicht gleich fertig sein werde. Auch liegt der Mathe-Unterricht gleich mehr als ein Jahrzehnt zurück, was eine illustre Gleichung ausschloss. Zumal ich mir bei Mathe und Dichten sicherlich selbst auf den Reim gegangen wäre. ;-)

Doch genug der Wortspiele. Die erste Assoziation, die ich hatte, habe ich zunächst wieder verworfen. Sätze wie „Ja, mache ich gleich“ oder „Sollte ich besser gleich erledigen“ schienen mir greifbarer. Schließlich hören und sagen wir solche Dinge Tag für Tag.

Gerade als eben jene Erkenntnis gesackt war, wurde mir klar, dass ich genau deswegen eine andere Verwendung des Wortes aufgreifen möchte. Eine, die so simpel ist, dass es schon wieder spannend war darüber nachzudenken. Denn bei all dem Leid was jeden Tag geschieht, gewinnt die mathematisch logische Bedeutung Stunde um Stunde an Gewicht. Und siehe da, schon ist die Mathematik doch mit von der Partie. :-)

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und freue mich auf Deine Kommentare!

Eine sehr hohe Brücke in den Bergen. In der Schlucht und drum herum unzählige Bäume.
Quelle: pixabay

Auf Umwegen zum Ziel

Einst saßen sie im Zug nach Wien,
doch reisten nicht gemeinsam hin.
Das Schicksal eint‘ sie im Abteil
und keiner fand das wirklich geil.

Sie saßen dort seit Stunden nun
und hatten nichts Besseres zu tun
als gegenseitig sich zu mustern,
sich daraus dann ein Bild zu schustern.

Am Fenster links da sitzt ein Mann.
Er hat recht dunkle Sachen an.
Sein Blick geht starr zum Fenster raus.
So trist sieht er zum Fürchten aus.

Und auf dem Sitz gleich nebenan
sitzt schweigend wiederum ein Mann:
Die Haare gänzlich abrasiert,
die Arme feindselig tätowiert.

Am Fenster rechts sitzt eine Frau:
Die Haut tief braun, die Haare blau.
Mit laut‘ Musik beschallt sie ihr Ohr;
scheinbar ein Rapper begleitet vom Chor.

An ihrer Seite sitzt ein männlich‘ Wesen
mit langem Bart und ist ein Buch am Lesen.
Und er trägt – Du glaubst Deinem Aug‘ nicht –
ein langes Gewand; scheint wüstentauglich.

So sitzen sie alle an diesem Fleck
und sind doch weit voneinander weg.
Es eint sie nur, so die Vermutung,
der Bahn obligatorische Verspätung.

Doch was ist das? Die Brücke bricht.
Sie schauen sich ins Angesicht.
Ein langer Schrei, ein lauter Knall.
Er war sehr kurz der freie Fall.

Was jetzt kommt schlägt ein wie ein Blitz.
Sind sie nun tot oder war’s nur ein Witz?
Zusammen sind sie offenbar weiterhin.
Um sie herum alles weiß, nichts zu seh’n.

Sie schau’n sich wieder alle an.
Es scheint als wär‘ noch alles dran.
Langsam beginnt ein Gedanke zu reifen.
Ein jeder für sich scheint’s zu begreifen.

Die Situation ist sicherlich surreal.
Doch frei der Geist, zuend‘ die Qual.
Bei allen wird’s Stück für Stück breiter,
ein Lächeln greift sie, stimmt sie heiter.

Denn trotz des Unglücks wird ihnen klar,
dass diese Mix-Gesellschaft ist wunderbar.
Es löst von ihnen Hass, Zwietracht und Zorn.
Friedliche Einigkeit aus Schmerz gebor’n.

Egal ob weiß, gelb, braun, kariert oder blau,
ob Kind, jugendlich, erwachsen, Mann oder Frau,
glücklich, traurig, arm oder reich:
Unterm Strich sind wir alle gleich!

Anmerkung zum Video: Der Hinweis am Anfang bezieht sich auf die Veröffentlichung via Social Media vor einiger Zeit. Den angesprochenen Download-Link findest Du in der Beschreibung auf YouTube.

Comic-Bild Gregor

Über den Autor

Ich bin Fachinformatiker, Berliner und ganz offensichtlich ein verrückter Blogger. Je nachdem überwiegt das ein oder andere.

Wer mehr über mich erfahren möchte, kann dies auf der „Über mich”-Seite tun, das Kontaktformular nutzen oder mich in einem der sozialen Netzwerke aufsuchen:

4 Kommentare zu „Auf Umwegen zum Ziel

  1. Hi Gregor,

    sehr schöne Gedanken mit einer noch schöneren Botschaft am Ende des Gedichts.

    Gegensätze mögen sich anziehen. Die Gemeinsamkeiten sind es, die uns zusammenhalten. :)

    Wenn wir nur offen und wach genug durchs Leben gehen,
    werden wir auch unsere Gemeinsamkeiten — oder Gleichheiten — sehen. ;)

    Sonnige Grüße
    Ingo


    Ist dieses Projekt frei, das heißt: Kann ich da immer und zu jeder Zeit ohne Fristen mitmachen?

    • Hallo Ingo,

      dann mal Augen auf :-)

      Ja, das Projekt ist so frei wie nichts anderes. Da kannst Du jederzeit mit einsteigen.

      LG
      Gregor

  2. Ich weiß nicht warum, nach dem Lesen der Zeilen fiel mir spontan Karl May, Winnetou 3, ein.
    Szenarium, beide W. + O.S. hören Glockengeläut, Charly, ist dass die Stimme Deines Herrn?
    Du kennst die Stelle bestimmt selbst Gregor,
    aber auch dort war mir jedesmal der Gedanke, irgendwie sind doch alle gleich, nicht fremd.

    Nette Zeilen mit tiefem Hintergrund.

    • Hallo Holger,

      ein interessanter Vergleich! Und natürlich kenne ich die Szene. Habe die Filme schon unzählige Male gesehen und heule immer noch an denselben Stellen. :-) Die Glocken von Santa Fe.

      Vielen Dank für Deinen Kommentar!

      LG
      Gregor

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